Gregor auf Reisen, 2008

Teil 2: Türkei und Syrien

20.05.2008 17:39:26 Bodrum 37.03285,27.42646, 1452 km, Total: 1452 km.

Autsch! Die Computerverbindungen am Hafen sind ausgefallen, deshalb kommt mein Mopped nicht durch den Zoll. Ich soll heut abend um 21 Uhr noch mal vorbeikommen, vielleicht gehts dann. Oder vielleicht morgen um 10 Uhr. Bis dahin bleibt mein Fahrzeug beim Zoll in Verwahrung.

Pünktlich um 9 sitze ich am verschlossenen Hafentor und warte auf den Zollbeamten. Um 22 Uhr kommt er dann tatsächlich. Eine halbe Stunde später bin ich wieder im Besitze meines Moppeds.


21.05.2008 18:14:58 Elmali 36.74361,29.91312, 417 km, Total: 1869 km.

Letztes Jahr hat mich die Fahrt an der Küste um Lykien sehr fasziniert, aber nochmal dieselbe Strecke? Ich ändere flugs die geplante Route und fahre ab Kalkan weg von der Küste nach Nordosten. Ich werde mit einer herrlichen Passstraße durch das Taurusgebirge belohnt. Alte Dörfer, Almen, und, wie überall in Lykien, Felsengräber.

Ich strande am Abend in einem verschlafenen Provinznest namens Elmali.


22.05.2008 17:50:00 Anamur 36.07131,32.86765, 384 km, Total: 2253 km.

Ich komme bei Antalya zurück an die Küste. Bis Alanya sind es 130 Kilometer hässlichste Autobahn, mit Tankstellen, Betonklötzen rechts und links und viel zu viel Verkehr.

Aber dann, zwischen Alanya und Anamur, erlebe ich noch mal die sensationellste Küstenstraße des Landes. Keine Touristengeschwüre verschandeln die Steilküste, kaum Dörfer und wenig Verkehr.

Hier gibt es jede Menge Bananenplantagen. Südlage, mides Klima und genügend Wasser tun das ihre, die Südfrüchte gedeihen prima. Sie sind etwas kurz, dünn und grau, und entsprechen so gar nicht der Chiquita-Norm. Aber sie sind köstlich, aromatischer als jede Banane die ich je zu Hause im Supermarkt geholt habe.


23.05.2008 18:19:58 Iskenderun 36.47625,35.98342, 496 km, Total: 2749 km.

Mehr aus Versehen bin ich hier etwas südlich von Iskenderun am östlichsten Punkt des Mittelmeeres gelandet. Hier ist tote Hose, keine Touristen, keine Dörfer, und fast keine Hotels. Dafür gibts hier tausende von Sommerhäusern. Die gehören wohl allesamt den wohlhabenden Bürgern aus Iskenderun - wer sichs leisten kann, verbringt die Wochenenden und die Ferien im Strandhaus.

Das Klima ist extrem feuchtheiß hier, das liegt wohl an dem über 2000 Mether hohen Nur-Gebirge, welches die feuchte Luft, die aus dem Westen vom Meer kommt, staut. Viel Regen ist die Folge, die Berghänge sind dschungelhaft tiefgrün.

Eine völig leere Absteige am Strand ist mein Domizil heute. Aber das Essen hat mich entschädigt: Hummus, Auberginensalat, Tomatencreme und Kebab. Das perfekte Dinner, 10 Punkte.


24.05.2008 14:25:49 Aleppo, Syrien 36.20505,37.14857, 158 km, Total: 2907 km.

Kaum habe ich die Kammhöhe des Nur-Gebirges überschritten, wird aus dem Dschungel Steppe. Getreideanbau gibt es, und Zwiebeln, und viel, viel Olivenbäume.

In der Schlange stehen muss ich an der Grenze zu Syrien nicht, obwohl hier um die zweihundert LKW auf die Abfertigung warten, kilometerlang. Ich fahre an der Schlange vorbei und komme sofort dran, aber die Türken brauchen eine halbe Stunde um mich raus zu lassen. Dann die Syrer. Auch dort wird mein Fall sofort bearbeitet, aber es dauert zwei Stunden. Passkontrolle, Polizei, Immigration, Zoll, Stempel, Formulare, Gebühren, Gebühren. Insgesamt bin ich 90 Euro los geworden, ein guter Teil davon geht wahrscheinlich in den Pensionsfond der Beamten hier.

Aleppo muss man sich erlaufen. Ich hab den Nachmittag in der riesigen Zitadelle und im Suq (Basar) verbracht, und jetzt bin ich rechtschaffen müde.


25.05.2008 21:28:21 Aleppo 36.20505,37.14857

Jetzt hab ich sämtliche Moscheen abgegrast, alle Gassen des Suq, die Armenische Kirche, und was es sonst noch zu sehen gibt. In der Kürze kann ich all die Eindrücke hier nicht schildern, das kommt später in meinem ausführlichen Reisebericht.

Deshalb mal was anderes: Es gibt auch hier Motorradfahrer. Man beachte die effiziente Schutzkleidung.


26.05.2008 17:40:20 Damaskus 33.51629,36.28052, 364 km, Total: 3271 km.

Auf dem Weg von Aleppo nach Damaskus besuche ich die "toten Städte" Al Bara und Sirjila. Nach einem verheerenden Erdbeben im 6. Jh. wurden sie von ihren Bewohnern aufgegeben. Trotzdem gibt es dort noch einige Häuser und Kirchen, deren Mauerwek die 1500 Jahre in ihrer Struktur unbeschadet überlebt haben - lediglich die ehemals hölzerne Dachkonstruktion fehlt.

Um 18 Uhr erreiche ich Damaskus, wo ich Unterkunft bei Freunden finde.


27.05.2008 16:47:46 Damaskus 33.51629,36.28052

Heute steht unter anderem eine Wanderung kreuz und quer durch die Suqs und ein Besuch der Omayyaden-Moschee auf dem Programm. Die Moschee, die sich im Laufe ihrer fast 2000jaehrigen Geschichte vom semitischen Tempel zum römischen Jupitertempel, zur Kirche, und schließlich im 7. Jh. zur Moschee wandelte, ist ein absolut bezaubernder Platz der Stille und Meditation, trotz ihrer enormen Größe und trotz (oder gerade wegen) der spielenden Kinder im Innenhof.

Morgen geht die Fahrt weiter Richtung Jordanien.


28.05.2008 14:36:50 Bosra 32.51782,36.48308, 180 km, Total: 3451 km.

Nahe der Jordanischen Grenze liegt Bosra, eine römische Garnisonsstadt, deren Ruinen erstaunlich vielfältig sind, man fühlt sich an Pompeji oder Ephesus erinnert. Das Prunkstück hier ist das Amphitheater, welches ganz sicher zu den am besten erhaltenen des gesamten ehemaligen römischen Reiches gehört.

Und das kam so: Die Kreuzritter brauchten einen geeigneten Platz für eine ihrer vielen Burgen, da kam ihnen der Standort des Theaters gerade recht. Also bauten sie ein riesiges, klobiges Fort um das Theater herum. Und als sie damit fertig waren, schütteten sie den gesamten Zuschauerraum mit Erde zu, und bauten obendrauf ihre Burggebäude. Also lag das Theater etwa 1500 Jahre geschützt unter Sand und Erde. Als man es so um 1950 herum ausgrub, erhielt man zur Belohnung ein makelloses, unverwittertes, komplettes archäologisches Sahnestück.


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